Preisverleihung in Neumünster

So lief die Übergabe des Jazz-Förderer-Preises 2026 des Kulturforums Schleswig-Holstein an Ralph Kricke.

Am 25.09.2026 wurde der Jazz-Förderer-Preis des Kulturforums Schleswig-Holstein an unseren Festival-Chef Ralph Kricke verliehen. Ralph Kricke wurde für sein ehrenamtliches Engagement für das SummerJazz Festival ausgezeichnet.

Die Laudatio hielt Günter Kleinschmidt, der das Festival 1996 aus der Taufe gehoben hat. Er sagte: "Du hast Verantwortung übernommen für die musikalischen Akteure des Festivals, für die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, für die Nachwuchsförderung, für die Finanzen und vor allem für die Frage: Wie bleibt der SummerJazz das, was er immer sein wollte, und wie muss er sich gleichzeitig verändern, damit er eine Zukunft hat? 

[...] Ralph, ich glaube, dein besonderes Verhältnis zum SummerJazz liegt genau darin. Du bist nicht einfach jemand der irgendwann einen Posten übernommen hat. Du bist Teil der Geschichte des SummerJazz. Deshalb kann ich heute als Gründer dieses Festivals etwas sagen, das mich persönlich besonders freut: Die Idee SummerJazz liegt in guten Händen. Das ist für mich als Gründer das Größte überhaupt."

Außerdem gab es Grußworte des Oberbürgermeisters der Stadt Neumünster, Tobias Bergmann, sowie des Bürgermeisters der Stadt Pinneberg, Thomas Voerste. Die Verleihung übernahm die stellvertretende Vorsitzende des Kulturforums Schleswig-Holstein, Dr. Julia Pfannkuch. Gastgeber war der Jazzclub Neumünster, vertreten durch seinen Vorsitzenden Ralf Johannsen.

Die Jury bestehend aus Prof. Bernd Ruf, der Jazzgitarristin Sandra Hempel (Mitglied der NDR-Bigband), Ralf Johannsen (Vorsitzender der Jazzclubs Neumünster), Agnes Trenka (Kulturbüro der Stadt Neumünster) und Wolfgang Röttgers (Vorsitzender des Kulturforums Schleswig-Holstein) hatte sich einstimmig für Vergabe des Preises in Höhe von 1.000,- Euro an Ralph Kricke ausgesprochen. Der Preis wird alle zwei Jahre im Rahmen Kulturfestivals Kunstflecken in Neumünster vergeben.

Die Preisverleihung kann in voller Länge auf unserem YouTube-Kanal angesehen werden.

Die Laudatio von Günter Kleinschmidt kann man weiter unten noch einmal nachlesen.

Wir danken dem Fotokreis Pinneberg für die Fotos auf dieser Seite.

Die Laudatio von Günter Kleinschmidt im Wortlaut

Liebe Freundinnen und Freunde des Jazz, liebe Gäste, lieber Ralph,

einen Menschen zu loben, ohne dass er sich dagegen wehren kann, ist eine schöne Aufgabe, und bei dir, Ralph, gibt es dafür reichlich Gelegenheit.

SummerJazz Pinneberg entstand 1996 aus der Idee, den Jazz aus seinem „Nischendasein“, das auch heute noch so ist, einer breiteren Öffentlichkeit näherzubringen. Ein Festival, bei dem Menschen zusammenkommen, zuhören, miteinander reden, feiern und vielleicht auch einmal sich darauf einlassen, über den eigenen musikalischen Tellerrand hinaus zu schauen.

Wir haben es beide erlebt: Du bist von Anfang an dabei gewesen. Zuerst als Besucher. Du bist mir damals gleich aufgefallen, weil du ständig auf dem Festival warst und kein Konzert auslassen wolltest, was bei drei Bühnen, die teils gleichzeitig bespielt wurden, sich als schwieriges Unterfangen darstellte. Im zweiten Jahr begrüßten wir uns gegenseitig und kamen ins Gespräch, und im dritten Jahr waren wir uns einig. Wenn du sowieso Tag und Nacht auf dem Festival bist, kannst du auch gleich mitarbeiten.

Es dauerte nicht lange und du standst auf der Bühne: Nicht als Besucher sondern als Musiker. Das finde ich im Rückblick besonders schön. Du weißt, was ein Musiker braucht und du weißt, was ein Publikum erwartet. So wurde aus dem Besucher ein Mitspieler, aus dem Mitspieler ein Organisator und aus dem Organisator schließlich der Vorsitzende des SummerJazz Fördervereins in Pinneberg. Das dauerte dann zwar doch noch ein bisschen. Die erfolgreichen drei Abschlüsse deines Studiums hatten Vorrang. 2005 war es dann soweit, du engagierst dich intensiv im Organisationsteam des SummerJazz Pinneberg und seit 2017 führst du den Förderverein als Vorsitzender.

Du hast Verantwortung übernommen für die musikalischen Akteure des Festivals, für die vielen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, für die Nachwuchsförderung, für die Finanzen und vor allem für die Frage: Wie bleibt der SummerJazz das, was er immer sein wollte, und wie muss er sich gleichzeitig verändern, damit er eine Zukunft hat? Das ist eine zentrale Herausforderung, die stellt sich nicht nur uns, sondern gerade aktuell auch vielen Jazzclubs und Jazzfestivals in unserem Land.

Ich bin sicher, darin liegt deine größte Leistung. Du hast den SummerJazz nicht einfach bewahrt, du hast den musikalischen Horizont erweitert und dich nicht gescheut, die zuweilen klassenkämpferisch anmutende Diskussion mit den Fans der ersten Stunde zu führen, für die Dixieland als einzig richtige Jazzmusik galt. Pinneberg war um die Jahrtausendwende herum eine Hochburg von Dixieland und Oldtimemusik. Wie wir feststellen, löste sich diese Diskussion im Laufe der Jahre in Wohlgefallen auf.

Solch ein Festival zu organisieren klingt zunächst einmal nach Musik. In Wirklichkeit ist es aber ein ziemlich kompliziertes gesellschaftliches Gesamtkunstwerk, welches viel Energie und Ausdauer braucht, von dem das Publikum möglichst gar nichts mitbekommen soll. Denn wenn alles gut läuft, sieht ein Festival ganz einfach aus: Die Musik spielt. – Die Menschen kommen. – Die Sonne scheint. – Alle haben gute Laune und denken: „Ist das schön hier!“ Und damit es soweit kommt, dafür braucht es Menschen wie dich. Dafür braucht es Menschen wie dich, die Probleme lösen, bevor andere überhaupt merken, dass es ein Problem gibt, und Menschen die auch weitermachen, wenn es gerade einmal nicht so gut läuft.

Die Nachwuchsförderung hat bei dir einen hohen Stellenwert behalten. SummerJazz ist nicht nur ein Ort für etablierte Künstler, sondern ein Ort, an dem die nächste Generation musikalischer Talente Ihre ersten wichtigen Schritte machen können. Es ist überhaupt eines der schönsten Dinge, die wir als Veranstalter erleben können. Dass irgendwann jemand sagt: „Meine musikalische Geschichte hat beim SummerJazz Pinneberg angefangen.“ Wenn wir solche Geschichten hören, geht uns das Herz auf, das ist unsere Belohnung für die geleistete ehrenamtliche Arbeit. Wir haben dafür gerade in diesem Jahr ein schönes prominentes Beispiel erleben dürfen.

Aber es gab auch Jahre in denen die Dinge nicht so liefen. Die Pandemie war für SummerJazz eine enorme Herausforderung. Du hast mit dem Team einen anderen Weg gesucht und hattest die Idee, ins Internet zu gehen. Das Festival fand plötzlich im Internet statt, das war vielleicht nicht dasselbe wie vorher, aber es war ein starkes Zeichen. Ein Zeichen dafür, dass man eine Idee nicht aufgeben muss, nur weil die ursprüngliche Form gerade nicht funktioniert. Ralph, ich glaube, dein besonderes Verhältnis zum SummerJazz liegt genau darin. Du bist nicht einfach jemand, der irgendwann einen Posten übernommen hat. Du bist Teil der Geschichte des SummerJazz. Deshalb kann ich heute als Gründer dieses Festivals etwas sagen, das mich persönlich besonders freut: Die Idee SummerJazz liegt in guten Händen. Das ist für mich als Gründer das Größte überhaupt, denn es kommt der Moment, an dem man eine Idee nicht mehr selbst tragen kann oder tragen muss wie in meinem Fall. Ich arbeite noch mit, habe das Privileg, mir die Arbeit aussuchen zu dürfen, das hast du, Ralph, nicht.

SummerJazz lebt weiter, ist gewachsen, es ist heute dank dir mit über 50 Konzerten im Jahr größer, vielfältiger und viel professioneller als damals.

Lieber Ralph, ich hatte vor 31 Jahren die Idee zum SummerJazz Pinneberg. Wenn ich heute sehe, was aus ihm geworden ist, dann weiß ich: Eine Idee gehört irgendwann nicht mehr demjenigen, der sie hatte. Sie gehört den Menschen, die sie weitertragen. Du trägst diese Idee weiter. Das verdient Anerkennung, und es verdient vor allem eins: Ein herzliches Dankeschön im Namen des SummerJazz, im Namen der Stadt Pinneberg als Mitveranstalter und im Namen all der Menschen, die dieses Festival möglich machen, und im Namen der zehntausend Besucher, die das Festival und die Konzerte jedes Jahr besuchen. Herzlichen Glückwunsch zu dieser verdienten Ehrung und auf viele weitere Festivaljahre und SummerJazz Konzerte.

Vielen Dank!

Dr. Ralph Kricke und Dr. Julia Pfannkuch bei der Preisübergabe
Günter Kleinschmidt bei der Laudatio
Grußworte von Tobias Bergmann und Thomas Voerste
Begrüßung durch Ralf Johannsen
"Birdie", Skulptur des Bildhauers Giotto Bente
Blick in die Werkhalle Neumünster
Preisträger Ralph Kricke
Thomas Voerste, Ralph Kricke, Günter Kleinschmidt